Kanton SO · Komplex

Tiny House im Kanton Solothurn: Vorschriften und Bewilligungen

Leitfaden für die Aufstellung eines Tiny House im Kanton Solothurn: Behörden, Bewilligungen und zulässige Zonen.

Kanton Solothurn (SO)

Regulatorischer Schwierigkeitsgrad

Komplex

Dieser Kanton hat einen komplexen, aber gut zu bewältigenden Rechtsrahmen. Eine professionelle Begleitung wird empfohlen, um die Erfolgschancen Ihres Projekts zu erhöhen.

Der Kanton im Überblick

Solothurn ist einer der Scharnierkantone der Schweiz: 791 km², rund 290'000 Einwohnerinnen und Einwohner, gelegen zwischen dem Jurasüdfuss und der Aareebene, mit Exklaven und einem nach Basel orientierten Einzugsgebiet im Norden. Die Hauptstadt Solothurn, oft als «schönste Barockstadt der Schweiz» bezeichnet, zählt nur 17'000 Einwohner — der Kanton ist vor allem ein Geflecht kleiner Gemeinden, was für Projektträger mit ungewöhnlichen Vorhaben vieles verändert.

Die Solothurner Wirtschaft beruht historisch auf der Uhrenindustrie, der Maschinenindustrie in Olten und Grenchen sowie dem Getreideanbau im Bucheggberg und im Wasseramt. Diese halb industrielle, halb ländliche Struktur sorgt für günstigere Bodenpreise als in Bern, Zürich oder Basel, ohne jedoch die völlige Abgeschiedenheit mancher Jurakantone zu bieten.

Das Verhältnis des Kantons zu Tiny Houses ist ambivalent: kein eigener Rechtsrahmen, aber eine kleine, zugängliche Verwaltung und mehrere ländliche Gemeinden, die bereits Anfragen für alternative Projekte erhalten haben. Der Kanton wird eher wegen fehlender Präzedenzfälle als «komplex» eingestuft als aus grundsätzlicher Ablehnung. Das Planungs- und Baugesetz (PBG SO) vom 3. Dezember 1978 und die zugehörige Verordnung bilden die rechtliche Grundlage, ergänzt durch oft ältere, aber anpassungsfähige Gemeindereglemente.

Zuständige Behörde und rechtlicher Rahmen

Das Solothurner System ist stark dezentral: Die Gemeinde ist Bewilligungsbehörde für praktisch alle Projekte in der Bauzone. Der Kanton greift über das Amt für Raumplanung (ARP) des Bau- und Justizdepartements ein, sobald es um Bauten ausserhalb der Bauzone, um interkommunale Koordination oder um Denkmalschutz geht.

Weitere kantonale Akteure sind das Amt für Umwelt (AfU) für Fragen zu Wasser und Abwasser, die Kantonale Denkmalpflege für ISOS-Gemeinden (Altstadt Solothurn, Altstadt Olten, Bucheggberg) und die Solothurnische Gebäudeversicherung für den Brandschutz. Der Rechtsrahmen stützt sich auf das PBG SO und die Kantonale Bauverordnung (KBV), mit viel Spielraum für die kommunalen Reglemente (Zonenreglement / Sondernutzungspläne).

Die Fristen sind vernünftig: 4 bis 8 Wochen für eine kleine kommunale Bewilligung, 3 bis 4 Monate für ein ordentliches Verfahren mit einer öffentlichen Auflage von 14 bis 30 Tagen je nach Gemeinde.

Erforderliche Bewilligungen je nach Tiny-House-Typ

1. Tiny House auf Rädern — Der Kanton hat keine eigene Weisung. Jede Gemeinde entscheidet selbst. Mehrere Gemeinden im Wasseramt und im Bucheggberg tolerieren ein längeres Abstellen auf Privatgrund, solange das Tiny House mobil und nicht angeschlossen bleibt. Nach einigen Monaten ist ein Baugesuch nötig.

2. Leichtes, rückbaubares Tiny House — Das PBG SO sieht je nach Grösse und Auswirkungen ein ordentliches oder vereinfachtes Verfahren vor. Für eine Wohnbaute von 15 bis 30 m² in der Bauzone öffnet die Gemeinde manchmal das Anzeigeverfahren mit verkürzter Einsprachefrist. Diesen schnellen Weg sollten Sie immer prüfen.

3. Festes Tiny House — Ordentliches Baubewilligungsverfahren mit vollständigem Dossier: unterzeichnete Pläne, Energienachweis gemäss MuKEn (Solothurner Fassung), Situationsplan, Anschlüsse. Der Kanton Solothurn verlangt in der Bauzone einen Anschluss an die öffentliche Kanalisation, ausser die Gemeinde verfügt über ein Spezialreglement, das individuelle Systeme zulässt (selten).

Zulässige Zonen

Kernzone und Wohnzonen W2/W3 — Die meisten Solothurner Dörfer verfügen über locker bebaute Wohnzonen, in denen ein festes Tiny House möglich ist, sofern die Nutzungsziffer eingehalten wird. Die Grenzabstände werden von Gemeinde zu Gemeinde festgelegt, meist zwischen 3 und 5 m.

Mischzone und Gewerbezone — Mehrere kleine Industriegemeinden (Derendingen, Zuchwil, Härkingen) haben Mischzonen, in denen Wohnen zulässig ist. Hier finden ungewöhnliche Projekte oft Platz, zu tieferen Quadratmeterpreisen als in reinen Wohnzonen.

Landwirtschaftszone — Wie überall durch das RPG blockiert. Der Kanton gewährt für nicht landwirtschaftliches Wohnen praktisch keine Ausnahmen. Einziger Weg bleibt die Umnutzung eines bestehenden Gebäudes nach Artikel 24d RPG, die im Bucheggberg häufig vorkommt.

Weiler- und Erhaltungszonen — Mehrere Gemeinden im Solothurner Jura (Welschenrohr, Mümliswil, Beinwil) haben Weilerzonen festgelegt, die eine sanfte Verdichtung erlauben — ein günstiges Terrain für gut eingepasstes kompaktes Wohnen.

Gemeinden, die sich zu prüfen lohnen

Der Kanton eignet sich für massgeschneiderte Abklärungen mit den Gemeinden. Einige konkrete Ansätze:

Welschenrohr-Gänsbrunnen: fusionierte Gemeinde im Solothurner Jura, offen für Zuzüger
Mümliswil-Ramiswil: Thal, erschwingliches Bauland, zugängliche Behörden
Bucheggberg (Lüterswil-Gächliwil, Buchegg): Getreidelandschaft, mehrere Weilerzonen
Derendingen, Zuchwil: Solothurner Agglomeration, tolerantere Mischzonen
Härkingen: Autobahnknoten, aber kleine Gemeinde mit direkten Kontakten

Olten und die Stadt Solothurn sind für ein Tiny House in der Bauzone dagegen kaum geeignet — wegen des angespannten Bodenmarkts und denkmalpflegerischer Auflagen.

Besondere Punkte, auf die zu achten ist

1.Keine einheitliche kantonale Praxis — Jede Gemeinde legt das PBG SO auf ihre Weise aus. Ein in Olten abgelehntes Projekt kann in Mümliswil problemlos durchkommen. Eine Vorabklärung bei der Gemeinde ist unerlässlich.
2.ISOS und barockes Erbe — Die Altstädte von Solothurn und Olten sowie viele Dörfer im Bucheggberg sind geschützt. Die architektonische Einpassung (Dach, Materialien, Volumen) wird entscheidend.
3.Kanalisationsanschluss obligatorisch — In der Bauzone werden autarke Lösungen (Trockentoiletten, Pflanzenkläranlage) selten akzeptiert. Von Anfang an budgetieren.
4.Einsprachefristen — Manche Gemeinden kennen noch eine öffentliche Auflage von nur 14 Tagen, kürzer als in anderen Kantonen. Es ist trotzdem ratsam, den Austausch mit den Nachbarn schriftlich festzuhalten.
5.Einfluss von Basel — Mehrere Gemeinden im Norden (Dornach, Hochwald) liegen im Einzugsgebiet von Basel: höhere Preise und Reglemente, die sich an Basel-Landschaft orientieren. Von Fall zu Fall prüfen.
6.Kantonale Energievorschriften — Der Kanton wendet die MuKEn 2014 an und verlangt einen Mindestanteil erneuerbarer Energie. Für ein Tiny House ist das leicht zu erreichen, die Berechnung muss aber im Dossier stehen.

Unsere Begleitung im Kanton Solothurn

  • Prüfung des Gemeindereglements und der Zone Ihres Grundstücks, bevor Sie sich verpflichten.
  • Pläne, technischer Beschrieb und Energienachweise des Tiny House für Ihr Baugesuch.
  • Vermittlung an lokale Architekten, Ingenieure oder Anwälte, wenn das Dossier es erfordert.
  • Koordination der Anschlüsse durch zugelassene Elektro- und Sanitärinstallateure.

Wir ersetzen weder die Behörde noch eine Rechtsberatung: Der Entscheid liegt immer bei der Gemeinde.

Nützliche Links

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