Lebensstil5. Februar 2026 · 14 Min. Lesezeit

Leben im Tiny House in der Schweiz: 5 typische Profile

Single, Paar, Familie, Vermietung, Ruhestand: fünf typische Profile, um sich das Leben im Tiny House vorzustellen.

Leben im Tiny House in der Schweiz: 5 typische Profile

In der Schweiz im Tiny House zu leben, ist ein radikaler Lebensentscheid in einem Land, in dem die klassische Wohnung die Norm ist. Wer sind die Schweizerinnen und Schweizer, die diesen Schritt gewagt haben? Wie sieht ihr Alltag aus? Welche Vorteile und Schwierigkeiten erleben sie? Hier sind fünf typische Profile, zusammengestellt aus häufigen Situationen: Sie geben einen konkreten Einblick in das Leben auf kleinem Raum im Schweizer Kontext.

Wichtig: Die Personen, Zitate und Budgets in diesem Artikel sind zusammengesetzte, illustrative Porträts. Sie beschreiben keine realen Kundinnen und Kunden von Tiny House Schweiz, und die genannten Beträge stellen kein Angebot dar.

Lea, 28 — junge Berufstätige in Nyon (VD)

Fläche: 20 m² auf Rädern
Gesamtbudget: CHF 95'000
Situation: ledig, freischaffende Grafikerin

«Ich bin mit meinen Eltern und meiner Schwester in einer 90-m²-Wohnung in Morges aufgewachsen. Nach meinem Studium an der HEAD in Genf habe ich in WGs und Studios gewohnt, für CHF 1'500 im Monat. Mit 26 wurde mir klar, dass ich CHF 18'000 pro Jahr für Miete ausgebe, ohne je Vermögen aufzubauen.»

«Mein 20-m²-Tiny-House steht auf einem privaten Grundstück in Nyon, dank einer Vereinbarung mit einem Eigentümer, der mir eine Ecke seiner Parzelle für CHF 350 im Monat vermietet, Anschlüsse inbegriffen. Finanziert habe ich alles mit einem Privatkredit von CHF 60'000 über 5 Jahre und meinen Ersparnissen.»

«Im Alltag verlangt das Leben auf 20 m² Organisation. Jeder Gegenstand hat seinen Platz. Vor dem Einzug habe ich 80 % meiner Sachen aussortiert. Die Galerie ist mein Schlafbereich, unten habe ich eine Arbeitsecke am Fenster, eine Kochnische und ein kleines Duschbad. Der Holzofen heizt den ganzen Raum in 15 Minuten.»

«Die Herausforderungen? Die Wäsche — ich wasche bei meinen Eltern oder im Waschsalon. Der fehlende Platz, um Gäste zu empfangen. Und am Anfang die Blicke der anderen. Aber wenn Leute zu Besuch kommen, sind sie von der Qualität und dem Komfort beeindruckt.»

«Finanziell ist es eine Befreiung. Meine gesamten monatlichen Kosten betragen CHF 1'350, gegenüber CHF 1'800 für mein früheres Studio. In 3 Jahren ist der Kredit abbezahlt, und meine Kosten sinken auf CHF 600 im Monat. Ich habe bereits CHF 15'000 gespart, die ich in mein Geschäft investiere.»

Marc und Julie, 35 und 33 — Paar im Homeoffice in Freiburg (FR)

Fläche: 35 m² auf Schraubfundamenten
Gesamtbudget: CHF 175'000 (inklusive Grundstück im Baurecht)
Situation: Paar ohne Kinder, beide im Homeoffice

«Wir wohnten in Freiburg zur Miete in einer 4½-Zimmer-Wohnung für CHF 2'200 im Monat. Seit das Homeoffice dauerhaft geworden war, mussten wir nicht mehr in der Stadt wohnen. Die Idee mit dem Tiny House kam uns 2024 an einer Messe für kleine Wohnformen.»

«Wir haben ein 400 m² grosses Grundstück im Baurecht in der Nähe von Bulle gefunden, mit einem jährlichen Baurechtszins von CHF 2'400. Die Baubewilligung dauerte 4 Monate. Das Tiny House wurde im November 2025 geliefert.»

«Unser 35-m²-Tiny-House hat alles, was eine richtige Wohnung hat: offene, ausgestattete Küche, Wohnzimmer, Bad, Schlafzimmer auf der Galerie und eine Arbeitsecke unter der Dachschräge. Die Dämmung ist bemerkenswert — selbst im Januar haben wir mit dem Pelletofen 22 Grad.»

«Homeoffice im Tiny House ist eine Herausforderung. Zu zweit auf 35 m² braucht es klar definierte Zonen. Marc arbeitet im Erdgeschoss, ich auf der Galerie an einem kleinen Zusatzschreibtisch. Wir haben in gute Kopfhörer investiert. Die 6 m² grosse Terrasse ist zu unserem ‹Sitzungszimmer unter freiem Himmel› geworden, sobald das Wetter es zulässt.»

«Unsere monatlichen Kosten sind von CHF 2'800 auf CHF 1'100 gesunken (Hypothek + Baurechtszins + Nebenkosten). Wir sparen CHF 20'000 pro Jahr. Das Einzige, was wir bereuen? Dass wir es nicht früher gemacht haben.»

Sophie und Laurent, 38 und 40 — Familie mit einem Kind in Köniz (BE)

Fläche: 40 m² auf festen Fundamenten
Gesamtbudget: CHF 230'000 (inklusive Grundstück in der Bauzone)
Situation: Paar mit einem 5-jährigen Sohn

«Als Familie in der Schweiz im Tiny House zu leben, überrascht viele. Unser Sohn Nolan ist 5 Jahre alt und das glücklichste Kind der Welt. Er hat sein Zimmer auf der Galerie, eine Spielecke im Erdgeschoss und einen riesigen Garten.»

«Wir haben ein 450 m² grosses Grundstück in Köniz bei Bern für CHF 110'000 gekauft. Die Gemeinde war sehr kooperativ. Unser 40-m²-Tiny-House umfasst 2 Schlafbereiche, eine richtige Küche, ein Bad und ein Wohnzimmer. Die 8 m² grosse Terrasse erweitert im Sommer den Wohnraum.»

«Mit einem Kind braucht die Organisation mehr Disziplin. Die Anzahl Spielsachen ist begrenzt (regelmässige Rotation). Die Kleider ebenso. Aber Nolan beklagt sich nie. Er ist die ganze Zeit draussen.»

«Finanziert haben wir das Projekt mit CHF 46'000 Eigenmitteln (davon CHF 20'000 aus der 2. Säule) und einer Hypothek von CHF 184'000 zu 2.1 %. Wir zahlen rund CHF 320 Hypothekarzins im Monat, viel weniger als unsere frühere Miete von CHF 2'600.»

«Die Frage, die wir uns stellen: ‹Und wenn Nolan grösser wird?› Wir werden sehen. Vielleicht ein Anbau, vielleicht ein zweites Modul. Das Schöne an unserer Situation ist, dass wir eine finanzielle Freiheit haben, die uns die Wahl lässt.»

Thomas, 45 — Airbnb-Unternehmer in Interlaken (BE)

Fläche: 2 × 25 m² auf Fundamenten
Gesamtbudget: CHF 280'000 (Grundstück + 2 Tiny Houses)
Situation: Unternehmer, touristische Unterkünfte

«Ich bin seit 20 Jahren in der Hotellerie tätig. 2024 habe ich in Tiny Houses eine Chance für den Tourismus gesehen. Das Berner Oberland zieht Gäste aus der ganzen Welt an, und ‹aussergewöhnliche› Unterkünfte boomen.»

«Das Grundstück liegt in einer Freizeitzone, was die Bewilligungen vereinfacht hat. Die beiden Tiny Houses sind je für 2 bis 4 Personen ausgestattet: Doppelbett auf der Galerie, Schlafsofa, ausgestattete Küche, Bad. Blick auf die Jungfrau von der Terrasse aus.»

«Die Zahlen: Jedes Tiny House ist durchschnittlich 220 Nächte pro Jahr vermietet, zu CHF 180 pro Nacht in der Hochsaison und CHF 120 pro Nacht in der Nebensaison. Jährlicher Bruttoertrag: rund CHF 65'000 pro Einheit. Nach Abzug der Kosten beträgt der Nettogewinn rund CHF 70'000 pro Jahr für beide zusammen.»

«Die Rendite ist bemerkenswert. Meine Gesamtinvestition von CHF 280'000 wird in 4 Jahren amortisiert sein. Keine klassische Immobilie in der Region bietet eine solche Rendite.»

«Die Gäste lieben das Erlebnis. Durchschnittliche Airbnb-Bewertung: 4.9/5. Mein Tipp: Wählen Sie den Standort sorgfältig, investieren Sie in Qualität und automatisieren Sie die Verwaltung (Self-Check-in, smartes Türschloss, externe Reinigung).»

Monique und Peter, 67 und 69 — pensioniertes Paar in Siders (VS)

Fläche: 30 m² auf Schraubfundamenten
Gesamtbudget: CHF 145'000 (inklusive Grundstück im Baurecht)
Situation: pensioniert, ehemalige Besitzer einer Villa

«Nach 30 Jahren in einer 180 m² grossen Villa in Sitten hat die Pensionierung unsere Sichtweise verändert. Die Kinder waren ausgezogen, das Haus war zu gross. Wir haben die Villa für CHF 680'000 verkauft, unser 30-m²-Tiny-House für CHF 120'000 gekauft und den Rest angelegt.»

«Unser Tiny House steht auf einem Grundstück im Baurecht in Siders, mit Blick auf die Rebberge und die Alpen. Die 30 m² sind für zwei perfekt bemessen: separates Schlafzimmer (keine Galerie — in unserem Alter ist Schluss mit Leitern!), Wohnzimmer mit Holzofen, offene Küche, barrierefreies Bad.»

«Peter hatte Zweifel: ‹Monique, auf 30 m² werden wir uns langweilen.› Drei Monate später will er nicht mehr weg. Wir leben das halbe Jahr draussen, auf der Terrasse und im Garten. Im Winter schafft der Holzofen eine Atmosphäre, die unsere frühere Villa nie hatte.»

«Unser monatliches Budget ist von CHF 4'500 auf CHF 1'800 gesunken, alles inklusive. Mit unseren AHV- und BVG-Renten und dem Kapital aus dem Verkauf sind wir für die nächsten 30 Jahre finanziell abgesichert.»

«Unser Rat an Pensionierte: Haben Sie keine Angst, sich zu verkleinern. Wer von 180 auf 30 m² umzieht, verliert nichts — sondern gewinnt an Freiheit, Einfachheit und Lebensqualität.»

Diese fünf Erfahrungsberichte zeigen die Vielfalt der Profile und Beweggründe. Von der jungen Berufstätigen bis zum pensionierten Paar, vom persönlichen Projekt bis zur Renditeinvestition — das Tiny House passt zu vielen Lebenssituationen. Die Gemeinsamkeit? Mehr Lebensqualität, ein gesünderes Verhältnis zu Geld und Konsum und eine engere Verbindung zur Natur.