Energie27. September 2026 · 9 Min. Lesezeit

Welche Heizung für ein Tiny House in der Schweiz?

Wärmepumpe, Holzofen, Strom: Was die Kantone für ganzjähriges Wohnen zulassen und wie richtig dimensioniert wird.

Welche Heizung für ein Tiny House in der Schweiz?

Illustrationsbild.

Die meisten Artikel über das Heizen von Tiny Houses stammen aus Frankreich oder Deutschland, wo Dieselheizungen und kleine Holzöfen für ein paar Wochen Nutzung im Jahr empfohlen werden. In der Schweiz ändern zwei Dinge die Lage grundlegend: die kantonalen Energievorschriften für dauerhaft bewohnte Gebäude und die Höhenlage. So wählen und dimensionieren Sie richtig.

Erste Frage: Erstwohnsitz oder gelegentliche Nutzung?

Davon hängt alles ab, denn diese Antwort bestimmt den rechtlichen Rahmen.

  • Ganzjährig bewohnt. Die Heizung fällt unter die kantonalen Energievorschriften, die sich an den Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich (MuKEn) orientieren. In den meisten Kantonen ist eine direkte Elektroheizung als Hauptheizung bei Neubauten nicht mehr zulässig. Konkret: Ein Tiny House mit Elektroradiatoren riskiert eine Ablehnung oder eine Auflage in der Bewilligung.
  • Freizeitnutzung, saisonal. Die Anforderungen sind lockerer; ein Holzofen mit elektrischer Zusatzheizung kann genügen.

Klären Sie das mit Ihrer Gemeinde, bevor Sie bestellen. Massgebend sind das kommunale Reglement und das kantonale Energiegesetz.

Zweite Frage: Wie viel Leistung brauchen Sie wirklich?

Hier liegt der häufigste Fehler, und fast immer in dieselbe Richtung: zu viel Leistung. Ein 8-kW-Ofen in gut gedämmten 25 m² bedeutet 28 Grad und offene Fenster mitten im Winter.

Der Bedarf hängt von der Fläche, der Qualität der Hülle und der Auslegungstemperatur ab, und die ist in Morges eine andere als in Verbier. Für eine gut gedämmte Hülle, etwa 200 mm Holzfaser in den Wänden und Dreifachverglasung, gelten folgende Grössenordnungen:

FlächeFlachland (bis 600 m)Mittlere Höhe (600-1200 m)Höhenlage (über 1200 m)
20 m²1,0 - 1,5 kW1,5 - 2,0 kW2,0 - 2,5 kW
30 m²1,5 - 2,0 kW2,0 - 2,8 kW2,8 - 3,5 kW
40 m²2,0 - 2,8 kW2,8 - 3,5 kW3,5 - 4,5 kW

Diese Werte sind Richtwerte für ein erstes Gespräch, keine Auslegung. Der eigentliche Nachweis erfolgt nach SIA 380/1 mit den Klimadaten Ihrer Gemeinde und wird für das Baugesuch meist verlangt.

Merken Sie sich vor allem die Grössenordnung: Ein gut gedämmtes Tiny House heizt man mit der Leistung eines Haarföhns.

Luft-Luft-Wärmepumpe: die Standardlösung

Ein Aussengerät, ein Innengerät an der Wand, fertig. Das ist heute die häufigste Lösung für ein ans Netz angeschlossenes Tiny House, und in den meisten Fällen unsere Empfehlung.

Dafür spricht:

  • sie liefert drei- bis viermal mehr Wärme, als sie Strom verbraucht, und ist damit mit den kantonalen Anforderungen vereinbar
  • sie kühlt im Sommer, was unter einem nach Süden ausgerichteten Dach von 25 m² kein Luxus ist
  • sie regelt gradgenau, mit Thermostat und Zeitprogramm
  • die Investition bleibt überschaubar

Was Sie wissen müssen:

  • das Aussengerät macht Lärm. Die Grenzwerte der Lärmschutz-Verordnung gelten, und manche Gemeinden verlangen ein eigenes Formular. Planen Sie den Standort weg von den Fenstern der Nachbarn
  • Arbeiten am Kältekreislauf sind Unternehmen mit entsprechender Fachbewilligung vorbehalten
  • bei starker Kälte sinkt die Effizienz, das Gerät taut ab. In Höhenlagen ist eine Zusatzheizung sinnvoll
  • sie erwärmt Luft, nicht Wasser: Für Warmwasser braucht es ein eigenes Gerät

Luft-Wasser-Wärmepumpe: komfortabler, teurer

Sie erwärmt Wasser für eine Bodenheizung oder Radiatoren und bereitet gleichzeitig das Warmwasser. Der Komfort ist höher, und ein einziges Gerät deckt beide Bedürfnisse.

Dafür ist die Investition höher, der Speicher braucht Platz in einem Haus, in dem jeder Dezimeter zählt, und die Bodenheizung bringt Aufbauhöhe und Gewicht. Auf einem Fundament lohnt sich das oft. Auf einem Anhänger deutlich weniger.

Holzofen: hervorragend als Ergänzung, schwierig als Hauptheizung

Niemand bestreitet den Reiz eines Holzofens. In einem Tiny House stellt er aber drei konkrete Probleme.

  • Die Mindestleistung. Die kleinsten Öfen liegen selten unter 4 kW, also beim Doppelten des Bedarfs eines gut gedämmten Hauses
  • Er regelt nicht in Ihrer Abwesenheit. Eine dauerhaft bewohnte Wohnung braucht eine stabile Temperatur, auch während der Arbeit
  • Die Sicherheitsauflagen. Abstände zu brennbaren Materialien, Bodenschutz, normgerechter Kamin, Kaminfeger Ihrer Gemeinde, und ein Kohlenmonoxid-Melder ist Pflicht im eigenen Interesse. Die Luftreinhalte-Verordnung stellt zudem Anforderungen an die Emissionen

Unsere Haltung: Holzofen als Zweitheizung, nie allein in einem Erstwohnsitz. Er bringt Behaglichkeit und Sicherheit bei Stromausfall. Die Grundlast übernimmt die Wärmepumpe.

Direktstrom, Infrarot, Gas und Diesel

  • Elektroradiatoren und Infrarotpaneele. Günstig in der Anschaffung, aber eine Kilowattstunde Strom für eine Kilowattstunde Wärme. Für einen Erstwohnsitz in den meisten Kantonen nicht mehr als Hauptheizung zulässig. Als Zusatz im Bad bleiben sie sinnvoll
  • Flüssiggas. Bei der Verbrennung entsteht Wasserdampf, also genau das, was man in 25 m² nicht zusätzlich braucht. Lagerung und Lüftung sind zudem geregelt
  • Dieselheizungen aus den Videos mobiler Tiny Houses ergeben für ein angeschlossenes Wohnhaus in der Schweiz keinen Sinn: Lärm, Geruch, Unterhalt, und keinerlei Anerkennung in den Energievorschriften

Das Warmwasser, das immer vergessen geht

In einem kleinen, gut gedämmten Haus braucht das Duschen übers Jahr mehr Energie als das Heizen. Drei Möglichkeiten:

  • Elektrischer Speicher, 50 bis 100 Liter. Einfach, zuverlässig, platzraubend. In Bad-Nähe platzieren, um Verluste zu begrenzen
  • Wärmepumpenboiler, also eine kleine Wärmepumpe nur fürs Wasser. Er halbiert bis drittelt den Verbrauch, ist aber grösser und leise hörbar
  • Elektrischer Durchlauferhitzer, ohne Speicher. Spart Platz, zieht aber 12 bis 24 kW während des Duschens. Das bedingt fast immer einen Drehstromanschluss und manchmal eine Verstärkung des Hausanschlusses

Übersicht

LösungRichtpreisAls Hauptheizung zulässigFür wen
Luft-Luft-WärmepumpeCHF 4'000 - 9'000JaDie meisten angeschlossenen Projekte
Luft-Wasser-Wärmepumpe mit SpeicherCHF 12'000 - 20'000JaAuf Fundament, hoher Komfortanspruch
HolzofenCHF 3'000 - 7'000 montiertAls ErgänzungChalet, Zusatz, Autarkie
DirektstromCHF 500 - 2'000Meist neinFreizeithaus, Zusatzheizung

Richtwerte für Material und Montage, ohne Anschlüsse auf der Parzelle.

Was Sie vor der Bestellung entscheiden müssen

  1. die Nutzung, und die schriftliche Auskunft Ihrer Gemeinde zur zulässigen Heizung
  2. die verfügbare Anschlussleistung und ob einphasig oder dreiphasig. Wärmepumpe, Kochfeld und Durchlauferhitzer führen schnell zu 400 V — siehe unseren Artikel zur Elektrik im Tiny House
  3. den Standort des Aussengeräts, mit Blick auf die Nachbarschaft und den Lärm
  4. den Platz für den Warmwasserspeicher, der im Plan reserviert wird
  5. die Lüftung, die zur Heizung gehört: Ein dichtes, gut geheiztes Haus ohne Lüftung bildet Kondenswasser. Siehe Lüftung und Kondenswasser

Diese fünf Punkte lassen sich im Plan festlegen. Sie können das selbst tun, gratis und ohne Anmeldung, mit unserem Tiny-House-Planer: Er platziert Aussengerät, Boiler und Elektropunkte und berechnet die installierte Leistung.

Zeichnen Sie Ihren Plan kostenlos

Unser Tiny-House-Planer ist gratis, ohne Anmeldung und ohne Nutzungsgrenze, für Privatpersonen wie für Fachleute. Sie zeichnen Einrichtung, Steckdosen, Leuchten und Wasseranschlüsse, das Werkzeug berechnet Flächen, installierte Leistung und Leitungslängen, und Sie exportieren den Plan als PDF oder senden ihn mit Ihrer Offertanfrage.

Bauen Sie selbst?

Unser Selbstbau-Leitfaden beschreibt die vollständige Methode, Kapitel für Kapitel: Grundstück und Bewilligung, Anhänger und Gewicht, Konstruktion, Dach, Dämmung, Luftdichtheit, Anschlüsse. Zu jedem Kapitel gehören leere Baustellenblätter zum Ausdrucken und Ausfüllen von Hand. Gratis, ohne Anmeldung, und das bleibt so.

Häufige Fragen

Darf man ein Tiny House in der Schweiz rein elektrisch heizen?

Für einen Erstwohnsitz lassen die meisten Kantone die direkte Elektroheizung als Hauptheizung im Neubau nicht mehr zu. Als Zusatzheizung bleibt sie möglich, und für ein Freizeithaus entscheidet das kommunale Reglement.

Welche Heizleistung für 25 m²?

Bei guter Dämmung liegt die Grössenordnung zwischen 1,2 und 2 kW im Flachland und bis 3 kW in Höhenlagen. Der offizielle Nachweis erfolgt nach SIA 380/1 mit den Klimadaten Ihrer Gemeinde.

Reicht ein Holzofen durch den Winter?

Bei gelegentlicher Nutzung oft ja. Als Erstwohnsitz selten: Er regelt in Ihrer Abwesenheit nicht, und die kleinsten Modelle sind für ein gut gedämmtes Haus bereits überdimensioniert.

Braucht das Aussengerät der Wärmepumpe eine Bewilligung?

Es ist Teil des Baugesuchs, und sein Lärm untersteht der Lärmschutz-Verordnung. Manche Gemeinden verlangen ein eigenes Formular mit den Abständen zu den Nachbarfenstern.

Braucht es Drehstrom für die Heizung?

Nicht zwingend für die Heizung allein. Die Summe aus Wärmepumpe, Kochfeld, Boiler und Waschmaschine übersteigt aber häufig, was ein einphasiger Anschluss liefert. Das ist vor der Bestellung mit dem Elektriker und dem Netzbetreiber zu klären.