Bau27. September 2026 · 10 Min. Lesezeit

Elektrik im Tiny House: Was die NIV in der Schweiz verlangt

Wer darf was, einphasig oder Drehstrom, Stromkreise, Nassbereich, Sicherheitsnachweis: der vollständige Leitfaden.

Elektrik im Tiny House: Was die NIV in der Schweiz verlangt

Illustrationsbild.

Zu keinem Thema kursieren so viele falsche Angaben, meist übernommen aus ausländischen Foren, wo ganz andere Regeln gelten. In der Schweiz richtet sich die Elektroinstallation einer Wohnung nach der Niederspannungs-Installationsverordnung (NIV), und das gilt auch für ein Tiny House, sobald es dauerhaft angeschlossen ist. Hier steht, was Sie dürfen, was nicht, und wie richtig dimensioniert wird.

Wer darf was

Die Grundregel ist einfach: Die feste Elektroinstallation einer Wohnung muss von einem Unternehmen mit Installationsbewilligung ausgeführt und kontrolliert werden. Das ist keine Formalität, sondern die Bedingung dafür, dass der Netzbetreiber Ihr Haus unter Spannung setzt und dass Ihre Versicherung im Schadenfall leistet.

Am Ende der Arbeiten stellt das Unternehmen einen Sicherheitsnachweis aus. Dieses Dokument verlangt der Netzbetreiber, und Sie brauchen es beim Verkauf. Wohninstallationen unterliegen anschliessend einer periodischen Kontrolle, üblicherweise alle zwanzig Jahre.

Was Sie selbst vorbereiten dürfen

Vieles, und genau so arbeiten wir: Wir bereiten vor, ein bewilligtes Unternehmen schliesst an und kontrolliert.

  • Rohre in Ständerwerk und Installationsebene verlegen, mit Einziehdraht
  • Dosen auf der richtigen Höhe setzen
  • Platz für Verteiler und Zähler reservieren
  • Durchdringungen vorbereiten, mit luftdichten Manschetten
  • den Plan der Punkte zeichnen: Steckdosen, Schalter, Leuchten, Geräte

Was Sie nicht tun dürfen: Leiter einziehen und anschliessen, Apparate unter Spannung setzen, im Verteiler arbeiten.

230 oder 400 Volt: die entscheidende Frage

Das Schweizer Netz liefert 230 V zwischen Phase und Neutralleiter, 400 V zwischen den Phasen. Eine kleine Wohnung kann einphasig auskommen, doch die Summe moderner Geräte führt schnell zum Drehstrom.

GerätTypische Leistung
Kochfeld (Induktion, 2 Zonen)3,5 - 4 kW
Backofen2 - 3 kW
Warmwasserspeicher2 - 3 kW
Durchlauferhitzer12 - 24 kW
Luft-Luft-Wärmepumpe1 - 2,5 kW
Waschmaschine2 - 2,5 kW
Licht und Steckdosen1 - 2 kW

Ein einphasiger Anschluss mit 25 A liefert rund 5,7 kW. Das Problem ist sofort sichtbar: Mit Wärmepumpe, Kochfeld und Boiler ist die Grenze überschritten. Entweder Drehstrom, oder auf einzelne Elektrogeräte verzichten.

Die Stromkreise

Für ein Tiny House von 20 bis 40 m² ist folgende Aufteilung vernünftig:

  • ein Lichtkreis, bei Galerie auch zwei
  • zwei Steckdosenkreise, einer für Wohnen und Schlafen, einer für die Küche
  • je ein eigener Kreis pro Grossgerät: Kochfeld, Backofen, Boiler, Waschmaschine, Wärmepumpe
  • ein Kreis für Aussensteckdosen und Technikbereich

Fehlerstromschutz ist für Steckdosenkreise und Nassbereiche die Regel. Querschnitte, Absicherungen und Schutzeinrichtungen bestimmt Ihr Elektriker — er unterschreibt dafür.

Das Bad: der am meisten kontrollierte Bereich

In 25 m² liegt die Dusche wenige Dezimeter von allem anderen entfernt. Um Badewannen, Duschen und Lavabos gelten Schutzbereiche, in denen das Material eine geeignete Schutzart aufweisen muss und bestimmte Apparate unzulässig sind.

Deshalb weist unser Planer auf eine Steckdose hin, die weniger als 60 cm von einem Wasserpunkt entfernt liegt: kein Fehler an sich, aber ein Punkt, den der Installateur beim definitiven Plan prüfen muss.

Besonderheit Tiny House auf Rädern

Ein mobiles Haus wird meist über eine CEE-Industriesteckdose mit 16 oder 32 A angeschlossen, mit einem für die Länge dimensionierten flexiblen Kabel und einem Schutzkasten auf der Einspeiseseite.

  • keine Haushaltsverlängerung ab Garage — gefährlich und nicht zulässig
  • die Erdung nicht vernachlässigen; die Ausführung hängt vom Einspeisepunkt ab
  • bleibt das Haus dauerhaft angeschlossen, gilt die Installation wie bei einer festen Wohnung, mit Sicherheitsnachweis

Für die Bauzeit empfiehlt sich ein Baustromanschluss mit Verteilerkasten.

Photovoltaik und Batterien

Module auf dem Dach eines Tiny House sind möglich, mit zwei Einschränkungen: Die Fläche ist klein, und jede netzgekoppelte Anlage muss dem Netzbetreiber gemeldet und von einem bewilligten Unternehmen erstellt werden. Eine Inselanlage mit Batterien folgt anderen Regeln und verlangt eine saubere Auslegung.

Richtbudget

PositionGrössenordnung
Installationsmaterial (Rohre, Dosen, Apparate, Verteiler)CHF 1'500 - 3'000
Ausführung und Anschluss durch bewilligtes Unternehmen, SicherheitsnachweisCHF 2'500 - 5'000
Netzanschluss auf der Parzelle (Graben, Kabel, Kasten)Stark abhängig von der Distanz
Leistungsverstärkung oder Wechsel auf DrehstromNach Offerte des Netzbetreibers

Am wenigsten planbar ist die Zuleitung bis zum Standort. Holen Sie die Offerte des Netzbetreibers ein, bevor Sie das Haus kaufen.

Was von Ihnen verlangt wird

  1. ein Plan der Punkte mit Höhen
  2. die Geräteliste mit Leistungen
  3. das Prinzipschema des Verteilers, vom Elektriker
  4. der Sicherheitsnachweis am Schluss

Das erste Dokument können Sie selbst vorbereiten: Unser kostenloser Planer hat eine Elektroebene, auf der Sie Steckdosen, Schalter, Leuchten, Verteiler und Zähler platzieren. Er berechnet die installierte Leistung und schlägt eine Richtaufteilung der Stromkreise vor, und Sie exportieren das Ganze als PDF. Es ist ein Wunschplan, kein Installationsplan.

Zeichnen Sie Ihren Plan kostenlos

Unser Tiny-House-Planer ist gratis, ohne Anmeldung und ohne Nutzungsgrenze, für Privatpersonen wie für Fachleute. Sie zeichnen Einrichtung, Steckdosen, Leuchten und Wasseranschlüsse, das Werkzeug berechnet Flächen, installierte Leistung und Leitungslängen, und Sie exportieren den Plan als PDF oder senden ihn mit Ihrer Offertanfrage.

Bauen Sie selbst?

Unser Selbstbau-Leitfaden beschreibt die vollständige Methode, Kapitel für Kapitel: Grundstück und Bewilligung, Anhänger und Gewicht, Konstruktion, Dach, Dämmung, Luftdichtheit, Anschlüsse. Zu jedem Kapitel gehören leere Baustellenblätter zum Ausdrucken und Ausfüllen von Hand. Gratis, ohne Anmeldung, und das bleibt so.

Häufige Fragen

Darf ich die Elektroinstallation selbst machen?

Sie dürfen Rohre, Dosen und den Plan der Punkte vorbereiten. Das Einziehen der Leiter, die Anschlüsse und der Verteiler sind einem Unternehmen mit Installationsbewilligung vorbehalten, das den Sicherheitsnachweis ausstellt.

Braucht ein Tiny House auf Rädern einen Sicherheitsnachweis?

Ja, sobald es dauerhaft ans Netz angeschlossen ist und als Wohnung dient.

Einphasig oder Drehstrom?

Ein einphasiger Anschluss mit 25 A liefert rund 5,7 kW. Mit Wärmepumpe, Kochfeld und Boiler wird dieser Wert überschritten, dann ist Drehstrom nötig.

Wie viele Steckdosen in 25 m²?

Mehr als man denkt: drei über der Arbeitsfläche, zwei beim Bett, eine pro Wohnbereich, dazu die Kreise für Grossgeräte. Während des Baus kostet eine zusätzliche Dose fast nichts.

Genügt eine Verlängerungsschnur?

Nein. Der Anschluss erfolgt über eine dimensionierte, geschützte Zuleitung, bei mobilen Häusern in der Regel über eine CEE-Steckdose mit korrekter Erdung.