Preis & Budget28. Februar 2026 · 10 Min. Lesezeit

Wie finanziert man ein Tiny House in der Schweiz

Hypothek, Privatkredit, Leasing oder Eigenmittel: die Möglichkeiten, ein Tiny House in der Schweiz zu finanzieren, und worauf Banken achten.

Wie finanziert man ein Tiny House in der Schweiz

Die Finanzierung eines Tiny House in der Schweiz unterscheidet sich vom Kauf einer klassischen Immobilie. Mit Beträgen zwischen CHF 75'000 und CHF 180'000 (alles inklusive) bewegen sich Tiny Houses in einer Preisklasse, die Banken nicht immer standardmässig behandeln. Dieser Guide stellt alle Finanzierungsmöglichkeiten 2026 vor — mit Bedingungen, Zinssätzen und konkreten Schritten für jede Lösung.

Die Bankhypothek: die ideale Lösung für Fundamente

Die Hypothek ist bezüglich Zinssatz die günstigste Finanzierungsform. 2026 liegen die Schweizer Hypothekarzinsen je nach Laufzeit und Typ (Festhypothek, variabel, SARON) zwischen 1.8 % und 2.8 %.

Voraussetzungen für eine Hypothek:

  • Das Tiny House muss auf festen Fundamenten stehen (Punktfundamente, Pfähle, Platte).
  • Das Grundstück muss in der Bauzone liegen, mit gültiger Baubewilligung.
  • Eigenmittel: mindestens 20 % des Gesamtwerts, davon mindestens 10 % nicht aus der 2. Säule.
  • Tragbarkeit: Die Hypothekarkosten dürfen 33 % des Bruttoeinkommens nicht übersteigen (berechnet mit einem kalkulatorischen Zinssatz von 5 %).

Konkretes Beispiel: Für ein Tiny House zu CHF 120'000 auf einem Grundstück zu CHF 60'000 beträgt der Gesamtwert CHF 180'000. Erforderliche Eigenmittel: CHF 36'000 (20 %), davon CHF 18'000 nicht aus der 2. Säule. Hypothek: CHF 144'000. Bei einem Festzins von 2.2 % über 10 Jahre beträgt der monatliche Zins rund CHF 264.

Banken, die offen für Tiny Houses sind:

  • ABS (Alternative Bank Schweiz): Pionierin bei der Finanzierung alternativer Wohnformen. Akzeptiert Tiny Houses auf Fundamenten und unter bestimmten Voraussetzungen auch auf Rädern.
  • Raiffeisenbanken: Einige lokale Banken sind offen, insbesondere in der Romandie und im Kanton Bern.
  • Kantonalbanken: Die BCV (Waadt), die BCN (Neuenburg) und die BEKB (Bern) haben bereits Tiny-House-Projekte finanziert.

Der Vorbezug aus der 2. Säule (BVG)

Das Bundesgesetz über die berufliche Vorsorge (BVG) erlaubt den Vorbezug des Vorsorgeguthabens für den Erwerb von selbst genutztem Wohneigentum. Diese Möglichkeit ist besonders interessant, um die Eigenmittel für ein Tiny House aufzubringen.

Voraussetzungen:

  • Das Tiny House muss Ihr Hauptwohnsitz sein.
  • Es muss auf Fundamenten stehen und im Grundbuch eingetragen sein.
  • Mindestbetrag des Vorbezugs: CHF 20'000.
  • Nur ein Vorbezug alle 5 Jahre möglich.
  • Ab 50 Jahren ist der Vorbezugsbetrag begrenzt.

Besteuerung des Vorbezugs:

KantonSteuer auf Vorbezug von CHF 50'000Effektiver Satz
ZürichCHF 3'2006.4 %
BernCHF 3'8007.6 %
WaadtCHF 4'5009.0 %
WallisCHF 3'0006.0 %
GenfCHF 4'8009.6 %
FreiburgCHF 3'5007.0 %

Wichtig: Der Vorbezug aus der 2. Säule schmälert Ihre Altersvorsorge. Prüfen Sie die Auswirkungen auf Ihre künftige Rente sorgfältig. Bei einem Verkauf muss der vorbezogene Betrag an die Pensionskasse zurückbezahlt werden.

Der Privatkredit

Der Privatkredit ist oft die schnellste und einfachste Lösung, besonders für Tiny Houses auf Rädern, die nicht hypothekarisch finanziert werden können.

Typische Bedingungen 2026:

  • Betrag: CHF 5'000 bis CHF 250'000 (gemäss KKG).
  • Laufzeit: 12 bis 120 Monate (maximal 10 Jahre).
  • Zinssatz: 4.9 % bis 7.9 % je nach Bank und Profil.
  • Keine Verpfändung des Objekts.

Beispiel: Für einen Kredit von CHF 80'000 über 7 Jahre zu 5.9 % beträgt die Monatsrate rund CHF 1'160. Die Gesamtkosten des Kredits (Zinsen) belaufen sich auf rund CHF 17'500.

Wichtigste Anbieter:

  • Cembra Money Bank: auf Privatkredite spezialisiert, konkurrenzfähige Zinssätze.
  • Cashgate (Aduno): Online-Plattform, digitalisierter Ablauf.
  • Migros Bank: attraktive Zinssätze (ab 4.9 %) für gute Profile.

Unser Tipp: Vergleichen Sie die Zinssätze auf comparis.ch oder moneyland.ch. Der Unterschied zwischen 4.9 % und 7.9 % macht bei einem Darlehen von CHF 80'000 über 7 Jahre CHF 12'000 zusätzliche Zinsen aus.

Das Hersteller-Leasing

Einige Tiny-House-Hersteller bieten in Partnerschaft mit Finanzierungsgesellschaften Leasingmodelle an. Das Prinzip: Sie zahlen während 5 bis 10 Jahren Monatsraten, und am Ende gehört das Tiny House Ihnen.

Vorteile:

  • Keine Eigenmittel erforderlich (oder eine reduzierte Anzahlung von 10 bis 20 %).
  • Feste und planbare Monatsraten.
  • Kaufoption am Vertragsende.

Nachteile:

  • Zinssätze meist höher als bei einer Hypothek (5 bis 8 %).
  • Während der Vertragsdauer sind Sie nicht Eigentümerin oder Eigentümer.
  • Bei Zahlungsverzug kann das Tiny House zurückgenommen werden.
  • Die Gesamtkosten liegen oft über einem kreditfinanzierten Kauf.

Diese Option ist interessant für Personen, die das Leben im Tiny House «ausprobieren» möchten, bevor sie sich definitiv festlegen.

Sparstrategie und Finanzierungsplan

Um Ihre Finanzierung zu optimieren, empfehlen wir eine Strategie in 4 Schritten:

Schritt 1: Gesamtbudget festlegen

Listen Sie alle Posten auf: Tiny House, Grundstück (oder Baurechtszins), Fundamente, Transport, Anschlüsse, Bewilligung, Möbel, Unvorhergesehenes (10 %). Für ein Standardprojekt von 35 m² planen Sie CHF 140'000 bis CHF 200'000 inklusive Grundstück ein.

Schritt 2: Eigenmittel aufbauen

Streben Sie 20 bis 30 % des Gesamtbudgets an. Quellen: persönliche Ersparnisse, Säule 3a, 2. Säule, Schenkung aus der Familie. Wenn Sie zur Miete wohnen, kann ein Jahr konsequentes Sparen CHF 20'000 bis CHF 30'000 ergeben.

Schritt 3: Passende Finanzierung wählen

Fundamente + Bauzone = Hypothek. Auf Rädern = Privatkredit oder Leasing. Betrag unter CHF 60'000 = Privatkredit.

Schritt 4: Konditionen verhandeln

Lassen Sie die Banken gegeneinander antreten. Jede Zinsdifferenz von 0.1 % bedeutet bei einem Darlehen von CHF 140'000 über 10 Jahre CHF 1'400 Ersparnis.

Bei Tiny House Schweiz vermitteln wir Ihnen den Kontakt zu unseren Bankpartnern und begleiten Sie beim Zusammenstellen Ihres Finanzierungsdossiers.

Häufige Fragen

Kann man für ein Tiny House eine Hypothek erhalten?

Ja, wenn das Tiny House auf festen Fundamenten auf einem Grundstück in der Bauzone steht und eine Baubewilligung vorliegt. Erforderliche Eigenmittel: mindestens 20 %. Zinssatz: 1.8 bis 2.8 % im Jahr 2026.

Kann man die 2. Säule für den Kauf eines Tiny House nutzen?

Ja, wenn das Tiny House Ihr Hauptwohnsitz ist und im Grundbuch eingetragen ist. Mindestvorbezug: CHF 20'000. Achten Sie auf die Steuer auf dem Vorbezug (5 bis 10 % je nach Kanton).

Wie hoch ist der Zinssatz für einen Privatkredit?

Die Zinssätze liegen 2026 zwischen 4.9 % und 7.9 %. Für CHF 80'000 über 7 Jahre zu 5.9 % beträgt die Monatsrate rund CHF 1'160.

Gibt es öffentliche Fördergelder für Tiny Houses?

Auf Bundesebene gibt es keine spezifischen Subventionen für Tiny Houses. Einige Kantone bieten jedoch Förderbeiträge für nachhaltiges Bauen an, von denen auch Tiny Houses profitieren können.

Welches Mindestbudget braucht es für den Einstieg?

Das realistische Mindestbudget liegt bei CHF 100'000 bis CHF 120'000. Mit CHF 25'000 Eigenmitteln kann der Rest per Kredit finanziert werden. Auf einem gepachteten Grundstück kann das Anfangsbudget auf CHF 80'000 sinken.